Die Orientierungsstufe am Carl-Friedrich-von-Weizsäcker-Gymnasium nach Abschaffung der Schulartempfehlung

Die Orientierungsstufe unserer Schule  wird seit nunmehr vier Jahren als sogenanntes Y-Modell gestaltet, d.h. wir bieten an, das Abitur nach acht oder nach neun Schuljahren abzulegen. Die Entscheidung dafür fällen Sie bereits bei der Anmeldung Ihres Kindes. Unsere Orientierungsstufe besteht zurzeit aus vier fünften und vier sechsten Klassen mit insgesamt 185 Schülerinnen und Schülern. Wünschenswert ist eine weitere Stärkung des G8 Zweiges, der im internationalen Vergleich die Regel ist.

Im Folgenden erhalten Sie nähere Informationen über unser Konzept und zur Organisation der Orientierungsstufe, die Ihnen die Entscheidung für die richtige Schule für Ihr Kind erleichtern soll.

Orientierungsstufe

Die zweijährige Orientierungsstufe am Gymnasium dient tatsächlich dazu, sich „zu orientieren“, wenn eine gymnasiale Eignung grundsätzlich vorhanden ist. Da die ehemalige Schulartempfehlung in diesem Jahr erstmalig entfällt, müssen die Eltern mehr als je zuvor eigenverantwortlich entscheiden, welche Schule und welche Schulart für das eigene Kind die richtige ist. 
In der Orientierungsstufe des Gymnasiums gewöhnt Ihr Kind sich an neue Fächer, Mitschüler und Lehrer, wie auch an das gymnasiale Leistungsniveau, das sich im Vergleich zur Grundschule durchaus in Umfang und Geschwindigkeit steigert. Alle am Lernprozess Beteiligten, also Schülerinnen und Schüler, Eltern und Lehrer, sollen sich in dieser Phase die Frage stellen, ob der eingeschlagene Bildungsweg, an dessen Ende das Abitur steht, für das einzelne Kind leistbar und damit sinnvoll ist bzw. was getan werden muss, um den gymnasialen Bildungsgang erfolgreich zu absolvieren.
Das neue Schulgesetz des Landes Schleswig Holstein sieht vor, dass ein einmal an einer Schule angemeldetes Kind dort zunächst auch bleibt; das Wiederholen in einer Klassenstufe der Orientierungsstufe ist nicht vorgesehen. Für eine bessere Planungssicherheit an den Schulen soll vermieden werden, dass ein Kind erst einmal „zum Probieren“ am Gymnasium angemeldet wird. Die sorgsame Auswahl einer Schule mit dem richtigen Maß an Forderung und Förderung hat als eine besondere Bedeutung. Sollte sich abzeichnen, dass ein Kind die gymnasiale Laufbahn nicht erfolgreich begehen kann, behält sich die Klassenkonferenz vor, ein Kind am Ende der Klassenstufe sechs auch gegen den Wunsch der Eltern an die Gemeinschaftsschule schrägzuversetzen. 
Da nach dem neuen Schulgesetz keine Übergangsempfehlung mehr vorgesehen ist, empfiehlt das Ministerium (MBS), dass das Kriterium der „Leistungsfähigkeit“ im Vordergrund stehen solle, Entscheidungshilfen dafür sind die „Selbst-, Sozial- und Methodenkompetenz“ des einzelnen Kindes. Der Entwicklungsbericht Ihres Kindes ist entsprechend aussagekräftig. Die Grundschulen stehen für Beratungsgespräche bereit, denn sie können die Leistungsfähigkeit der Kinder nach der Grundschulzeit sehr gut einschätzen. Ebenso bieten auch wir am Gymnasium Beratungsgespräche an, wenn Sie sich bei der Schulwahl nicht sicher sind.
 
Pädagogisches Konzept
 
Die pädagogische Ausrichtung unserer Orientierungsstufe ist geprägt durch ein ganzheitliches Lernkonzept. Dies soll bereits bei der Aufnahme unserer jüngsten Schülerinnen und Schüler in der Orientierungsstufe sichtbar werden. Die Jüngsten in ihrer ganzen Person anzunehmen, bedeutet zugleich, sie wirklich da abzuholen, wo sie stehen. Wohl wissend, dass der Übergang von der Grundschule zum Gymnasium immer eine große Umstellung für die Kinder bedeutet, wollen wir ihnen diesen so behutsam wie möglich gestalten, ohne dabei Werte und Ziele des Gymnasiums mit seiner speziellen Leistungsausrichtung aus den Augen  zu verlieren.
Voraussetzung hierfür ist eine enge Zusammenarbeit mit den Grundschulen. Gegenseitige Hospitationen, schulartübergreifende Fachkonferenzen, das Erkennen und Benennen von erwünschten Kompetenzen und der regelmäßige Austausch mit den Grundschullehrkräften sind wichtige Schritte, um den Kindern den Übergang zu unserem Gymnasium zu erleichtern.
Grundlegend für die Pädagogik an unserer Schule ist das „Kopf, Herz und Hand“-Prinzip. Ausgehend von ihrer natürlichen Lern- und Leistungsbereitschaft, ihrer kindlichen Neugierde und ihrer Entdeckerfreude sollen die Kinder die Möglichkeit haben, auf ihrer neuen Schule von Beginn an das Lernen zu lernen und zur Selbstständigkeit befähigt zu werden, damit das gymnasiale Lernprinzip des Forschens und Entwickelns erfolgreich umgesetzt werden kann.
Kennenlernen und „Schnupperphase“ 

Bereits in der vierten Klasse geben wir den Schülerinnen und Schülern vor der Einschulung Gelegenheit, unsere Schule und den Unterricht am „Tag der offenen Tür“ und bei Hospitationen in den fünften Klassen kennenzulernen.

Damit die Kinder Vertraute wiederfinden, versuchen wir bei der Zusammenstellung der Klassen, die Wünsche der Kinder zu berücksichtigen, so dass sie mit Freunden und Klassenkameraden aus der Grundschule eine Klasse besuchen können. Aus organisatorischen Gründen werden Kinder, die katholischen Religionsunterricht gewählt haben, in einer Klasse zusammengefasst, ebenso spielt die Wahl von Philosophie oder ev. Religion eine Rolle bei der Zusammenstellung der Klassen.

Die erste Schulwoche

In diesen Tagen sollen die Kinder einerseits ihre neuen Mitschülerinnen und Mitschüler, die neuen Lehrkräfte und die neue Schule besser kennenlernen, andererseits aber sollen sie auch schon in einige Unterrichtsfächer hineinschnuppern und bereits erste methodische Tipps zum Lernen erhalten. "Lernen lernen" ist dabei nicht nur Inhalt der kurzen "Schnupperphase", sondern der gesamten Orientierungsstufe. Der spätere Stundenplan tritt in den ersten Tagen noch nicht voll in Kraft, vielmehr finden „Schnuppertage“ zum Erwerb sozialer, inhaltlicher und methodischer Kompetenzen statt, fester Bestandteil ist ein ganztätiger Klassengemeinschaftstag in Zusammenarbeit mit unseren Schulsozialarbeiterinnen in der ersten oder zweiten Schulwoche

Klassengemeinschaft 

Da wir das Lernen als einen ganzheitlichen Prozess auffassen, der sowohl kognitive als auch emotionale und physische Fähigkeiten und Voraussetzungen in sich vereint, ist es unser Ziel, eine angenehme Lernumgebung zu schaffen. Dazu gehört ebenso wie die Gestaltung des Klassenraumes, die zugleich wesentlich zum Identifikationsprozess mit der neuen Schule beiträgt, die Berücksichtigung unterschiedlicher körperlicher Voraussetzungen besonders in der Orientierungsstufe. Größengerechte Stühle und Tische fördern das körperliche Wohlbefinden der Kinder. Ausflüge, Spielnachmittage oder Klassenfeste und die in der sechsten Klasse stattfindende Klassenreise sind als Möglichkeit zu sehen, das soziale Klima in den Klassen positiv zu beeinflussen. 

Nachmittagsunterricht 

Nachmittagsunterricht kann beim achtjährigen gymnasialen Bildungsgang und der Umsetzung der Kontingentstundentafel nicht ausgeschlossen werden, wir bemühen uns aber, die Belastung durch Unterricht am Nachmittag so gering wie möglich zu halten. Zurzeit hat der fünfte Jahrgang auch im achtjährigen Bildungsgang keinen Nachmittagsunterricht.

Fremdsprachen 

Die erste Fremdsprache der Schülerinnen und Schüler der 5. Klassen ist Englisch, ab Klasse sechs können die Schüler im achtjährigen Bildungsgang, ab Klasse sieben im neunjährigen Bildungsgang, zwischen Latein und Französisch als zweiter Fremdsprache wählen. Die Eltern werden rechtzeitig am Ende der fünften bzw. sechsten Klasse an einem Informationsabend über die zweite Fremdsprache informiert; die Schüler haben Gelegenheit, in einer „Schnupperstunde“ beide Sprachen kennenzulernen, bevor sie sich entscheiden müssen.

Fordern und Fördern 

Um die Schülerinnen und Schüler in ihren Stärken und Fähigkeiten zu fördern und um sie in ihren Schwächen ausgleichend zu unterstützen, sehen wir es neben entsprechenden Zusatz- und Förderangeboten als notwendig an, dass die Lehrkräfte eng zusammenarbeiten und beständigen Kontakt zur Elternschaft halten, um diese individuell beraten zu können.

Lernwerkstätten

An unserem Gymnasium haben sich zahlreiche Fördermöglichkeiten etabliert. In den Lernwerkstätten für die Fächer Deutsch, Mathematik, Englisch, Latein und Französisch können sich die Kinder von Fachlehrkräften sowohl bei akuten als auch bei längerfristigen Problemen Unterstützung und Hilfe holen. Für die Schüler mit einer Lese-Rechtschreibschwäche bieten wir entsprechende Beratung und einen Förderunterricht an; gleiches gilt für Schüler, deren Muttersprache nicht Deutsch ist.

Diese Ansätze sollen dazu beitragen, eine angenehme und motivierende Lernatmosphäre zu schaffen, in der die Kinder ihre volle Leistungsfähigkeit entwickeln und so die Chancen der Orientierungsstufe wirklich nutzen können.
Angela Kopp
Orientierungsstufenleiterin
 
Stand:  Januar 2015